Montag, 27. April 2015

Tote Gärten ohne Seelen

Foto: Frau B.
Wie jedes Jahr im Frühjahr, wenn die Natur überschwänglich alles blühen und grünen läßt, ihre ganze Schönheit unseren nach dem langen Winter gierigen Augen zeigt, mit betörenden Düften der Hyazinthe unsere Nase betört, ja dann wird mir schmerzhaft bewußt, wie viele Gärten in meiner Umgebung seelenlos sind.
Man kann sie nicht einmal Friedhofsgärten nennen, denn selbst diese Bezeichnung wäre noch euphemistisch. Friedhöfe sind blumiger, interessanter, lebensbejahender als so mancher Garten eines Lebenden gestaltet! Denn sie sind tote Gärten ohne Seelen!

Foto: Frau B.
Lebensbäume reihen sich an Nadlbäume. Dazwischen lugt traurig ein einzelner Grashalm hervor. Er wird sowieso keine Chance haben, denn der Boden wird saurer und saurer und saurer. Dieser Totraum zäunt eine Thujahecke ein.
Foto: Frau B.
Beim Anblick dieser Bodenstücke - denn ein Garten sind sie nicht - werde ich traurig, ja sogar leicht aggressiv. Keine Blume, kein blühender Strauch. Kein Insekt findet seine Nahrung. Kein Vogel findet einen geschützten Raum für sein Nest. Kein Auge wird entzückt. Die Thujahecke ist giftig, schon manche Menschen bekommen Hautreizungen von einer einzigen Berührung. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge verhungern. Vögel ziehen weiter, denn in einem Totraum will man nicht leben.
Und was haben die Menschen davon?
Foto: Frau B.
Versauerter Boden. Im besten Fall ein Stück Rasen, auf dem nicht einmal ein Gänseblümchen oder ein Löwenzahn wächst, aber der brav alle 2 Wochen im Sommer gemäht wird.

Und sonst?

Gähnende Leere!
Wenig Arbeit!
Viel Bequemheit!
Keine Freude!

Kommentare:

  1. Für mich wär das auch nichts und es tut mir in der Seele weh, wenn ich solche Gärten sehe.
    Doch leider geht es immer noch schlimmer: In der Nachbarschaft wurden Vorgärten einfach mit Steinen zugeschüttet, da wächst dann noch nicht mal ein ödes Nadelgewächs, man könnte echt heulen.
    VG
    Elke

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  2. Wuah, solche habe ich auch schon auf Reisen gesehen. Ich bin dann echt schockiert.

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  3. Das mit den Steinen kenne ich auch, wird euphemistisch "Zen-Garten" genannt und dann kippt man ständig Herbizide auf die Steine, weil man sonst mit dem Unkrautziehen nicht nachkäme. Mein Trost: Solche Extremmoden sind auch irgendwann wieder out.
    Die Nadelbaumgärten ... die haben oft sehr viel Ähnlichkeit mit ihren stachlig-kühlen Besitzern. ;-) Wirklich treffend beschrieben! Obwohl, ein Stückchen Thujahecke habe ich auch. Und weil da noch so viel anderes wächst, nisten in der Thuja sogar Vögel.

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    1. Hier haben wir auch noch Thuja vom Vorgänger geerbt. Aber sobald die größere Umräumveränderungskarawane im Garten beginnt, geht es ihnen an die Nadeln. Der Rest Thuja gehört als Hecke leider den Nachbarn....

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