Dienstag, 17. Mai 2016

Rezension: "Menschenkinder. Plädoyer für eine artgerechte Erziehung" von Herbert Renz-Polster

Inhalt:
Nichts ist so sehr in Bewegung, wird so viel diskutiert, wie der Umgang mit und die Erziehung von Kindern. Was brauchen sie? Wie werden sie am besten groß? In seiner Streitschrift untersucht Herbert Renz-Polster, warum es sich lohnt, den Blick in die evolutionäre Vergangenheit zu richten und so einen neuen Blick auf die Kinder zu bekommen.


Meinung:
Baby- und Kinderbücher im Allgemeinen, Erziehungsbücher im Speziellen sind mit Blick in die Buchhandlungen und auf die Bestsellerlisten gerade sehr en vogue. Von gesunder Ernährung, selbst Kochen für Babys und Kleinkinder über (Durch)Schlafen bis Spielen im frühförderlichen Sinne findet man (fast) jedes Thema vertreten. Den Eindruck, daß da manchmal mit den Ängsten der Eltern Geld gemacht wird, kann ich mich manchmal nicht erwehren.
2011 erschien das Buch “Menschenkinder. Plädoyer für eine artgerechte Erziehung“. Autor ist der Kinderarzt, Wissenschaftler und Autor Herbert Renz-Polster, der u. a. das empfehlenswerte Nachschlagewerk “Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin – Naturheilverfahren – Selbsthilfe” mitverfaßt hat. Nun bin ich also auf sein neustes Buch “Menschenkinder” gestoßen. Noch so ein Ratgeber, der sich in den oben angedeuteten Zirkel einreihen kann. Doch ich würde positiv überrascht.
Menschenkinder ist eine Streitschrift gegen die Reihe diverser Elternratgeber, die nach Renz-Polster Eltern verunsichern, in ihren Erziehungsängsten verstärken und Luftschlösser bauen. Typische Themen sind Stillen, Tragen, B(r)eikostbeginn, Schlafen im Elternbett, Grenzen setzen oder der Hype um Frühförderung. Als Kinderarzt, Wissenschaftler und Vater von vier Kindern ist Renz-Polster dazu prädestiniert, eine Streitschrift zu schreiben, die sich mit diesen Themen auseinandersetzt. Aber was ist nun sein Ansatz? Er blickt auf die Entwicklung der Kinder aus einem evolutionären Ansatz heraus. Da das Buch eine Streitschrift darstellt, ist der Text zwar leicht lesbar, aber auch stark von der Meinung/dem Ansatz des Autors geprägt, wobei ihm der Drahtseilakt zwischen Meinung und Dogmatismus gelingt. Das liegt aber nun einmal in der Sache der Natur einer Streitschrift und hilft, das evolutionsbiologische Modell klar und deutlich herauszuarbeiten. Einzig und allein der Untertitel “artgerechte Erziehung” ist ein wenig irritierend, da man artgerecht mehr im Zusammenhang mit Tierhaltung als mit Menschenerziehung verwendet. Im Buch geht der Autor darauf ein und erklärt diesen Wortwahl.
Fazit: Auf jedem Fall erreicht der Autor auf erfrischende Art und Weise mit seinem Buch Menschenkinder, den Leser, also die Eltern, zum Nachdenken anzuregen und manches auch lockerer zu sehen und sich bei ihrem gemeinsamen Weg mit den Kindern zu entkrampfen. Genau dies macht das Buch lesenswert und hebt sich wohltuend aus der Reihe der diversen Elternratgeber, die indirekt Eltern unter Druck setzen, ab.
Herbert Renz-Polster: Menschenkinder. Plädoyer für eine artgerechte Erziehung
Kösel Verlag, München 2011, 4. Aufl. 2014
ISBN: 978-3-466-30930-6
Ausstattung: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten
Preis: 17,99 €

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