Donnerstag, 28. Juni 2018

Unter der Leselupe: "Wildnisapotheke. Hausmittel aus 400 Jahren" von Eunike Grahofer


"Ich weiß nicht, welche Zeiten kommen werden. Vielleicht ist es einmal wieder wichtig, in Notsituationen die richtigen Pflanzenmittel zu kennen. Deshalb erzähle ich diese bewegende Geschichte weiter, weil ich möchte, dass außergewöhnliche Anwendungen erhalten bleiben und  nicht vergessen werden."
Altes Wissen um Heilpflanzen und andere Hausmittel zu sammeln, zu bewahren und heute weiterzugeben ist die Lebensaufgabe der Kräuterpädagogin Eunike Grahofer, die mit der "Leissinger Oma" vor 4 Jahren ihr erstes Buch herausbrachte und mir eine wissensreiche, vielfältige Welt öffnete. Ihre Arbeit ist sehr wertvoll - sie bewahrt uns jahrhundertealtes Volkswissen aus Zeiten, in denen der nächste Arzt oder die nächste Apotheke weit entfernt war. In mehreren Büchern hat Eunike Grahofer sich intensiv mit diesem tradierten Heilwissen beschäftigt, sammelte es im österreichischen Waldviertel, dann im Burgenland und in Wien (und hoffentlich schafft sie es, noch in weiteren Regionen Österreichs, vielleicht auch mal nach Deutschland oder die Schweiz ihrer Aufgabe nachzugehen). Alle bisherigen Rezepte, all ihr Wissen hat sie nun in einer neuen Kräuterbibel gebündelt. Ja, zu recht kann ich es so bezeichnen. Es ist ein wahrer Schatz, ein Praxisbuch mit vielen, vielen Rezepten, Hinweisen und am Ende auch Lebenseinstellungen vom Aushalten, Naturwahrnehmen, vom Respekt der Altvoderen und auch der Heilfähigkeit der Volksmedizin.
Bei alltägliche Erkrankungen, bei seelische Krisen findet man hier Hilfe mit bewährten Kräuterrezpten. Grahofer hat das Buch nach dem Jahreskreislauf aufgebaut. Für jeden Monat, für jede Jahreszeit findet man zu den am häufigsten Erkrankungen wie Erkältungen, Frauenleiden, Fieber, Hautleiden, Entzündungen etc. eine handvoll Rezepte. Der Aufbau hat den Vorteil zu der Jahreszeit die passenden Kräuter und Hausmittel zu haben. Denn was nützt ein Rezept gegen Husten mit der Königskerze, wenn man es im November braucht?

Jeder Monat ist ein großes Kapitel mit Geschichten zu ausgewählten Heilpflanzen und vielen Rezepten. Die Geschichten porträtieren nicht nur das jeweile Heilkraut oder Hausmittel, sondern erzählen auch vom früheren Leben. Natürlich wiederholen sich hier teilweise die Erzählungen aus Grahofers früheren Publikationen. Dies wird aber nur eingefleischten Fans ins Auge fallen und tut dem Buch in seiner Wirkung keinen Abbruch.
Die Rezepte sind sehr übersichtlich gestaltet. Nach der Zutatenliste gibt es die Herstelleranweisung und dann die Anwendung. In großen Tropfenboxen steht schnell ersichtlich, gegen welche Erkrankung die Volksmedizin hilft. Tee, Salben, Bäder, Sirup, Wickel ... die ganze Bandbreite der tradierten Hausmittel findet man. Sehr hilfreich sind die vielen Alternativen zu einer bestimmten Erkrankung, wenn die Zutat im Hause fehlt oder man sie aus anderen Gründen wie Allergie, Geschmack nicht nehmen möchte. Detailfotos der Pflanze illustrieren das Rezept, jedoch dienen sie nicht als Bestimmung einer bestimmten Heilpflanze. Hier hat man im Bedarfsfall nach einem anderen Buch zu greifen. Heilkräuter werden also nicht botanisch und zur korrekten Bestimmung vorgestellt, sondern ausschließlich in ihrer Verwendung in der Volksmedizin!
Schlägt man dieses Buch auf, staunt man über das alte Wissen, über die Schätze der Natur zur Heilung bzw. zur Unterstützung der körpereigenen Heilkräfte. Immer wieder findet man Neues, Unbekanntes. Hier ist das geballte Wissen volksmedizinischer Anwendung für den Alltagsgebrauch zu finden. Man braucht meist kein großes Schnickschnack an weiteren Zutaten. Ganz im früheren Sinne wurde aus dem vorhandenen die Kräuter in verschiedenen Formen als Tee, Salbe, Umschlag, Sirup oder Wickel aufbereitet und konserviert. Da stellte man die Salbe aus Schweineschmalz und Bienenwachs her. Obstkerne dienten auf Wanderungen der Wasserversorgung. Angeschlagene Apfelstellen nutzte man bei Ohrenschmerzen.
Jedes Kraut, jedes Lebensmittel wurde soweit wie möglich verwendet. Es durfte nichts verschwendet werden. Auch in diesem Sinne lehrt uns Eunike Grahofers Wildnisapotheke ein Umdenken, ein Nachdenken über Verschwendung heute und über unser reichhaltiges Leben, wofür wir viel dankbarer sein müßten.
Ein schöner Zusatz sind die Videos, die man mit der verlagseigenen App sich zusätzlich anschauen kann.
Eunike Grahofer hat mit ihrer "Wildnisapotheke. Hausmittel aus 400 Jahren" eine Kräuterbibel der Volksmedizin geschaffen. Es ist ein lesenswertes Nachschlagewerk für die gesamte Familie. Ein echter Schatz, das nicht nur alle Kräuter- und Hausmittelfreunde, sondern in jedes Buchregal einer Familie gehört. Dieses Wissen sollte wieder mehr verbreitet und angewandt werden! Absolut und von Herzen zu empfehlen.

Wie immer gilt, im Zweifel den Arzt oder Apotheker aufsuchen.

Eunike Grahofer: Wildnisapotheke. Hausmittel aus 400 Jahren
Freya Verlag, Linz 2018
ISBN: 978-3990253328
Ausstattung: 264 Seiten, Hardcover, über Freya App Videos und Zusatzinfos
Preis: 24,90 €

*Direkt beim Verlag bestellen oder überall im Handel erhältlich.

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1 Kommentar:

  1. Damit kenne ich mich auch zu wenig aus, so ein Buch wäre nützlich.
    VG
    Elke

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