Freitag, 29. September 2017

Rezension: "Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte" von Eunike Grahofer

Cover von "Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte" von Eunike Grahofer
Inhalt:
Die junge Johanna bekommt zu ihrer Verlobung ein besonderes Geschenk von ihrer Mutter übergeben. Es sind 12 Briefe ihrer Urgroßmutter - einer für jeden kommenden Monat, in dem sie ihrer Urenkelin altbewährtes Heilwissen der Familie übermittelt.



Meinung:
Welche Heilmittel findet man in der Natur beispielsweise bei Unterleibsbeschwerden von Frauen? Welche Heilkräuter nutzten unsere Vorfahren bei Schnittwunden, wenn der Weg zum Arzt zu weit und zu teuer war? Schon seit Jahren sammelt und beschäftigt sich die österreichische Kräuterpädagogin Eunike Grahofer intensiv mit altherbrachten Wissen um Heilkräuter und Hausmittel. In Gesprächen mit alten Menschen erfährt sie vieles über diesen reichen Schatz an Volkswissen, hebt ihn engagiert, indem sie ihn aufschreibt, ordnet und publiziert.
Nun veröffentlichte sie ein weiteres Rezeptebuch mit dem Titel "Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte" im Linzer Freya Verlag. Sie hat ihre neue Veröffentlichung nicht nur als reines lexikalisches Wissen konzipiert, sondern erzählt eine Geschichte. Die Hauptfigur ist die junge Frau Johanna, die anläßlich ihrer Verlobung ein besonderes Geschenk von ihrer Mutter übergeben bekommt. Es sind 12 Briefe ihrer Urgroßmutter, die sie nie kennengelernt hat. In diesen 12 Briefen - je einer für jeden kommenden Monat - spricht die Vorfahrin zu ihr, erzählt vom Leben auf dem Lande, von Traditionen und den Umbrüchen durch die Moderne. Zugleich schenkt sie ihr alte Heil- und Hausrezepte für Unwohlsein und leichtere Erkrankungen und zeigt zudem, das fast alles früher verwertet wurde. Denn Vorräte waren wertvoll!
Mit der Geschichte macht Grahofer das alte Heilwissen lebendig. Sie zeigt uns heute auf, wie reich dieser Schatz ist, wie wichtig es ist, ihn zu bewahren und zu tradieren. Sie zeigt uns, welche Vielfalt an Heilkräutern die Natur uns bereitstellt, welchen Wissensschatz es gab, welche verschlungenen, bedingenden Wege Heilwissen und auch Brauchtum haben. Dieses Buch öffnet dem aufmerksamen Leser darüber die Augen, machen ihn demütig, denn noch blicken viele Menschen mit einer gewissen Arroganz auf das angebliche Unwissen der Vorfahren zurück. Das Gegenteil sollte sein: das alte Wissen heben, ihn mit neuen Erkenntnissen verknüpfen, bestätigen oder ergänzen, sollte der Weg sein.
Blick ins Buch "Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte" von Eunike Grahofer
Die Ordnung des Buches spiegelt schon die Idee der Geschichte. Nicht alphabetisch, nicht zufällig übermittelt uns die Urgroßmutter die Rezepte. Sie orientiert sich am Jahreskreislauf. Dann, wenn eine Heilpflanze geerntet werden soll, gibt es das Rezept. Grahofer, die die Rezepte aus der eigenen Familie und dem gesammelten Wissen entlehnt hat, überreicht uns eine reiche Mischung an Heilkräuterrezepten, die mit wenigen Mitteln zubereitet werden. Diese Schlichtheit machen sie praxistauglich, ermuntern zum Übernehmen. Es bedarf keiner ausgeklügelten Gerätschaften oder Zutaten, sondern alles findet sich im Haushalt und Garten, Wald und Wiese wider. Wer sich schon intensiver mit Heilkräutern beschäftigt hat, wird einige Rezepte kennen. Doch auch er findet Neues, Unbekanntes.
Pro Monat gibt es 4, 6 Rezepte, einige erstrecken sich in ihrer Herstellung über mehrere Monate hinweg, die dann Grahofer immer an geeigneter Stelle weiterführt. Jedes Rezept ist übersichtlich auf einer Seite aufgeführt: eine kurze Einführung erzählt von den Umständen, dem Jahreszeitpunkt, dann folgt die Zutatenliste und die Ausführung, zum Schluß erläutert Grahofer in kurzen, prägnanten Ausführungen die Anwendung.
Den Rezepten hat sie als Einführung den jeweiligen Brief der Großmutter vorgestellt. Hier erfährt man viel über das Landleben vor 80, 90 Jahren, über Traditionen, Brauchtum und Lebensumstände. Es lohnt sich, die Briefe auch zu lesen und nicht gleich zu den Rezepten zu gehen.
Ein kleiner Kritikpunkt soll an dieser Stelle jedoch angeführt werden. Um mehr Originalität für die Briefe zu schaffen, wäre es gut gewesen, sie nicht in neuer Rechtschreibung abzudrucken. Auch wird mit der Schrift versucht, eine Schreibschrift zu imitieren, die jedoch leider sehr von der damalig gebräuchlichen Sütterlinschrift entfernt ist.
Fotos von den fertig gestellten Salben und Tinkturen sowie von den Heilkräutern bebildern das Buch und erfreuen das Auge.
Wieder ist es Eunike Grahofer mit ihrem Sachbuch "Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte" gelungen, altes Heikräuterwissen zu bewahren und weiterzugeben. Sympathisch und auffordernd hat sie das Buch mit der Geschichte um Johanna und ihre Urgroßmutter angelegt. Praxisnah ist die Einordnung in den Jahreskreislauf. Es ist ein Buch, das Neugierde weckt und Lust macht, sogleich ebenfalls sich diese reiche Wissenswelt zu erschließen, eigenes Heilwissen in der Familie aufzubauen und weiterzugeben. Absolut zu empfehlen!

Eunike Grahofer: Mein Kräutererbe. Uralte Heilrezepte
Freya Verlag, Linz 2017
ISBN: 978-3990253045
Ausstattung: 128 Seiten, Softcover
Preis: 14,90 €

Auf der Verlagswebseite zum Buch findet man eine Leseprobe.

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